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Lösungswege für HM-Klausuren

Hier sammle ich Lösungsskizzen für Höhere-Mathematik-Klausuren am KIT, für die mir keine offizielle Lösung vorliegt, sowie ergänzende Anmerkungen zu vorhandenen Lösungen.

Gerne können weitere Lösungen als LaTeX-Snippets gesendet werden.

Die Lösungsskizzen beziehen sich auf die jeweiligen Aufgabenblätter. Mit RR bezeichne ich im Folgenden den Konvergenzradius einer Potenzreihe.

Frühjahr 2012 #

HM1 #

Aufgabe 2 #

a) (i) Durch Erweitern mit der konjugierten Wurzel erhält man für x>2/3x>2/3:

3x−2−3x+1=−33x−2+3x+1→x→∞0. \sqrt{3x-2}-\sqrt{3x+1} =\frac{-3}{\sqrt{3x-2}+\sqrt{3x+1}} \xrightarrow{x\to\infty}0.

(ii) Die Regel von L’Hôpital ist anwendbar. Da xe−x→0x e^{-x}\to 0 und x2e−x→0x^2e^{-x}\to 0 für x→∞x\to\infty, folgt:

lim⁡x→∞log⁡(1+1x)1x+e−x=lim⁡x→∞−1x2+x−1x2−e−x=lim⁡x→∞11+1x+(x2+x)e−x=1. \begin{aligned} \lim_{x\to\infty}\frac{\log\left(1+\frac1x\right)}{\frac1x+e^{-x}} &=\lim_{x\to\infty}\frac{-\frac1{x^2+x}}{-\frac1{x^2}-e^{-x}}\\ &=\lim_{x\to\infty}\frac1{1+\frac1x+(x^2+x)e^{-x}} =1. \end{aligned}

b) (i) Nach der Formel von Cauchy-Hadamard gilt:

1R=lim sup⁡n→∞1nn=1,R=1. \frac1R=\limsup_{n\to\infty}\sqrt[n]{\frac1{\sqrt n}}=1, \qquad R=1.

Für x=−1x=-1 konvergiert die Reihe ∑n=1∞(−1)n/n\sum_{n=1}^{\infty}(-1)^n/\sqrt n nach dem Leibnizkriterium, da 1/n1/\sqrt n monoton gegen null fällt. Für x=1x=1 divergiert die Reihe, denn 1/n≥1/n1/\sqrt n\geq 1/n, und die harmonische Reihe divergiert. Insgesamt gilt also:

∑n=1∞xnn konvergiert genau fu¨r x∈[−1,1). \sum_{n=1}^{\infty}\frac{x^n}{\sqrt n} \text{ konvergiert genau für }x\in[-1,1).

(ii) Für die Fakultätskoeffizienten an den geraden Indizes betrachtet man:

lim⁡m→∞1m!2m=0. \lim_{m\to\infty}\sqrt[2m]{\frac1{m!}}=0.

Dies folgt beispielsweise aus der Stirlingformel. Sind die ungeraden Koeffizienten null, folgt daraus R=∞R=\infty, und die Potenzreihe konvergiert auf ganz R\mathbb R.

c) (i) Es handelt sich um eine geometrische Reihe:

∑k=0∞(−1)k2k=∑k=0∞(−12)k=11+12=23. \sum_{k=0}^{\infty}\frac{(-1)^k}{2^k} =\sum_{k=0}^{\infty}\left(-\frac12\right)^k =\frac1{1+\frac12}=\frac23.

(ii) Die Partialsummen bilden eine Teleskopsumme:

∑k=1N(1k+1−1k)=1N+1−1→N→∞−1. \sum_{k=1}^{N}\left(\frac1{k+1}-\frac1k\right) =\frac1{N+1}-1\xrightarrow{N\to\infty}-1.

Aufgabe 3 #

a) falsch; Gegenbeispiele sind die Nullfunktion und der Sinus.

b) falsch; Gegenbeispiel: eine monoton wachsende Folge.

c) wahr; Satz von Bolzano-Weierstraß.

d) wahr; Zwischenwertsatz, versteckt hinter einem Supremum auf einem kompakten Intervall.

e) wahr.

f) wahr.

HM2 #

Aufgabe 2 #

a) wahr; Satz von Schwarz.

b) wahr; Fangfrage: ff ist als differenzierbar vorausgesetzt! Die Definition der Differenzierbarkeit gilt insbesondere für ∥(h1,h2)∥→0\lVert(h_1,h_2)\rVert\to 0.

c) wahr; bei einer differenzierbaren reellwertigen Funktion lässt sich die Ableitung durch den Gradienten darstellen: Df(x)[h]=⟨∇f(x),h⟩Df(x)[h]=\langle\nabla f(x),h\rangle.

d) wahr.

e) falsch; die semidefinite Hesse-Matrix Hf(0,0)H_f(0,0) allein erlaubt keine Entscheidung darüber, ob in (0,0)(0,0) ein Extremum vorliegt.

f) falsch; es fehlt die Funktionaldeterminante, also der Betrag der Determinante der Jacobi-Matrix der Substitutionsfunktion für Zylinderkoordinaten.

Herbst 2012 #

HM1 #

Aufgabe 2 #

a) wahr.

b) falsch; Gegenbeispiel: f(x)=−ex2f(x)=-e^{x^2}.

c) falsch; Gegenbeispiel: eine monoton wachsende Folge.

d) wahr.

e) wahr.

f) falsch; für das Wurzelkriterium fehlt der lim sup⁡n→∞\limsup_{n\to\infty}. Gegenbeispiel: an=(1/2)na_n=(1/2)^n.

Aufgabe 3 #

a) (i) Die Regel von L’Hôpital ist anwendbar und liefert:

lim⁡x→0sin⁡(2x)e3x−1=lim⁡x→02cos⁡(2x)3e3x=23. \lim_{x\to0}\frac{\sin(2x)}{e^{3x}-1} =\lim_{x\to0}\frac{2\cos(2x)}{3e^{3x}}=\frac23.

(ii) Der Zähler ist beschränkt, während der Nenner gegen unendlich geht:

lim⁡x→∞esin⁡(x)cos⁡(x)1+x=0. \lim_{x\to\infty}\frac{e^{\sin(x)}\cos(x)}{1+x}=0.

b) Einmal partiell integrieren:

∫01xex+1 dx=[xex+1]01−∫01ex+1 dx=e2−(e2−e)=e. \int_0^1 xe^{x+1}\,dx =\left[xe^{x+1}\right]_0^1-\int_0^1 e^{x+1}\,dx =e^2-(e^2-e)=e.

c) Für x>0x>0 gilt nach Definition der reellen Potenz:

f(x)=xx=exlog⁡(x)⇒f′(x)=(log⁡(x)+1)exlog⁡(x)⇒f′(e)=2ee. f(x)=x^x=e^{x\log(x)} \quad\Rightarrow\quad f'(x)=(\log(x)+1)e^{x\log(x)} \quad\Rightarrow\quad f'(e)=2e^e.

d) Wir schreiben die Reihe als Potenzreihe um den Entwicklungspunkt −1-1:

∑n=1∞2n4+n3(x+1)2n=∑m=1∞bm(x+1)m,b2n=2n4+n3,b2n−1=0. \sum_{n=1}^{\infty}\frac{2n}{4+n^3}(x+1)^{2n} =\sum_{m=1}^{\infty}b_m(x+1)^m, \qquad b_{2n}=\frac{2n}{4+n^3},\quad b_{2n-1}=0.

Für die geraden Indizes gilt:

lim⁡n→∞2n4+n32n=1. \lim_{n\to\infty}\sqrt[2n]{\frac{2n}{4+n^3}}=1.

Da die ungeraden Koeffizienten null sind, folgt lim sup⁡m→∞∣bm∣m=1\limsup_{m\to\infty}\sqrt[m]{|b_m|}=1 und damit R=1R=1. Die Reihe konvergiert also für x∈(−2,0)x\in(-2,0). An beiden Randpunkten x=−2x=-2 und x=0x=0 ist (x+1)2n=1(x+1)^{2n}=1. Dort konvergiert die Reihe ebenfalls, denn

0≤2n4+n3≤2n2. 0\leq\frac{2n}{4+n^3}\leq\frac2{n^2}.

Insgesamt konvergiert die Potenzreihe genau für x∈[−2,0]x\in[-2,0].

e) Für die Potenzreihe ∑n=1∞(−1)n5nxn\sum_{n=1}^{\infty}\frac{(-1)^n}{5n}x^n gilt:

1R=lim sup⁡n→∞∣(−1)n5n∣n=lim⁡n→∞15nn=1,R=1. \frac1R=\limsup_{n\to\infty}\sqrt[n]{\left|\frac{(-1)^n}{5n}\right|} =\lim_{n\to\infty}\frac1{\sqrt[n]{5n}}=1, \qquad R=1.

Für x=−1x=-1 divergiert die Reihe, da sie dann ein positives Vielfaches der harmonischen Reihe ist. Für x=1x=1 konvergiert sie als Vielfaches der alternierenden harmonischen Reihe. Insgesamt konvergiert sie genau für x∈(−1,1]x\in(-1,1].

HM2 #

Aufgabe 1 #

a) wahr.

b) falsch; der hier verwendete Satz setzt voraus, dass AA kompakt ist. Ein Gegenbeispiel findet sich im HM1-Teil, Aufgabe 2 b).

c) falsch; Gegenbeispiel: f(x,y)=xf(x,y)=x.

d) falsch; Hf(x)H_f(x) könnte auch semidefinit sein.

e) wahr.

f) wahr.

Frühjahr 2014 #

HM1 #

Aufgabe 2 #

a) (i) Die Regel von L’Hôpital anwenden und anschließend x=0x=0 einsetzen:

lim⁡x→01−cos⁡2(x)x2+x=lim⁡x→02sin⁡(x)cos⁡(x)2x+1=0. \lim_{x\to0}\frac{1-\cos^2(x)}{x^2+x} =\lim_{x\to0}\frac{2\sin(x)\cos(x)}{2x+1}=0.

(ii) Direktes Einsetzen und log⁡(e)=1\log(e)=1 liefern:

lim⁡x→e(log⁡(x)⋅x2)=e2. \lim_{x\to e}\bigl(\log(x)\cdot x^2\bigr)=e^2.

b) (i) Der Konvergenzradius ist R=1R=1.

Frühjahr 2017 #

Für diese Klausur lag mir beim Schreiben keine Lösung vor. Mal sehen, wie viel Motivation ich habe, alle Aufgaben hier einzutragen.

HM1 #

Aufgabe 1 #

b) Mit der Bernoullischen Ungleichung erhält man für n≥1n\geq1:

1−1n≤(1−1n2)n≤1. 1-\frac1n \leq\left(1-\frac1{n^2}\right)^n \leq1.

Beide Schranken konvergieren gegen 1. Nach dem Sandwichkriterium gilt daher:

lim⁡n→∞(1−1n2)n=1. \lim_{n\to\infty}\left(1-\frac1{n^2}\right)^n=1.

Aufgabe 2 #

a) Definiere f:R→Rf:\mathbb R\to\mathbb R durch f(x)=12e−x−2xf(x)=\frac12e^{-x}-2x. Diese Funktion ist beliebig oft stetig differenzierbar, also f∈C∞(R)f\in C^\infty(\mathbb R). Da f(0)=1/2>0f(0)=1/2>0 und f(1)=1/(2e)−2<0f(1)=1/(2e)-2<0, besitzt ff nach dem Zwischenwertsatz eine Nullstelle in (0,1)(0,1).

b) Es gilt f′(x)=−12e−x−2<0f'(x)=-\frac12e^{-x}-2<0 für alle x∈Rx\in\mathbb R. Somit ist ff streng monoton fallend und damit injektiv. Die Nullstelle aus a) ist also eindeutig.

Aufgabe 3 #

a) Für die punktweise Konvergenz gegen die Nullfunktion betrachtet man zunächst fn(0)=0f_n(0)=0. Für jedes feste x∈(0,1]x\in(0,1] existiert außerdem ein n0∈Nn_0\in\mathbb N mit x∈(1/n0,1]x\in(1/n_0,1]. Aus der Definition der Funktionenfolge folgt dann fn(x)→0f_n(x)\to0. Um zu zeigen, dass die Konvergenz nicht gleichmäßig ist, betrachtet man die Folge xn=1/nx_n=1/\sqrt n und zeigt, dass fn(xn)f_n(x_n) nicht gegen null konvergiert.

b) Wähle die Nullfolge an=e−(2π+π2)na_n=e^{-(2\pi+\frac\pi2)n}. Für diese Folge gilt f(an)↛0f(a_n)\not\to0.

Aufgabe 4 #

  1. Nullstellen und Extrema des Sinus einsetzen: {0,1/2}\{0,1/2\}.

  2. Die Regel von L’Hôpital zweimal anwenden:

    lim⁡x→0log⁡(cos⁡(3x))log⁡(cos⁡(2x))=lim⁡x→0−3tan⁡(3x)−2tan⁡(2x)=lim⁡x→0−9/cos⁡2(3x)−4/cos⁡2(2x)=94. \begin{aligned} \lim_{x\to0}\frac{\log(\cos(3x))}{\log(\cos(2x))} &=\lim_{x\to0}\frac{-3\tan(3x)}{-2\tan(2x)}\\ &=\lim_{x\to0}\frac{-9/\cos^2(3x)}{-4/\cos^2(2x)} =\frac94. \end{aligned}
  3. Mit u=1+cos⁡(x)u=1+\cos(x) und du=−sin⁡(x) dxdu=-\sin(x)\,dx folgt:

    ∫0π/2sin⁡(x)1+cos⁡(x) dx=−∫211u du=−[log⁡(u)]21=log⁡(2). \int_0^{\pi/2}\frac{\sin(x)}{1+\cos(x)}\,dx =-\int_2^1\frac1u\,du =-\left[\log(u)\right]_2^1 =\log(2).
  4. Das uneigentliche Integral divergiert gegen +∞+\infty. Da 2+cos⁡(x)≤32+\cos(x)\leq3 und der Nenner positiv ist, gilt:

    sin⁡2(x)2+cos⁡(x)≥sin⁡2(x)3. \frac{\sin^2(x)}{2+\cos(x)}\geq\frac{\sin^2(x)}3.

    Für T>0T>0 folgt daraus:

    ∫0Tsin⁡2(x)2+cos⁡(x) dx≥13∫0Tsin⁡2(x) dx=T6−sin⁡(2T)12→T→∞+∞. \int_0^T\frac{\sin^2(x)}{2+\cos(x)}\,dx \geq\frac13\int_0^T\sin^2(x)\,dx =\frac T6-\frac{\sin(2T)}{12} \xrightarrow{T\to\infty}+\infty.
  5. Aus lim⁡n→∞(1+x/n)n=ex\lim_{n\to\infty}(1+x/n)^n=e^x folgt:

    1R=lim⁡n→∞(1+2n)n2n=lim⁡n→∞(1+2n)n=e2. \frac1R =\lim_{n\to\infty}\sqrt[n]{\left(1+\frac2n\right)^{n^2}} =\lim_{n\to\infty}\left(1+\frac2n\right)^n =e^2.

    Damit ist R=e−2R=e^{-2}. An den Randpunkten x=±e−2x=\pm e^{-2} gehen die Beträge der Reihenglieder nicht gegen null, denn

    (1+2n)n2e−2n=exp⁡(n2log⁡(1+2n)−2n)→n→∞e−2>0. \left(1+\frac2n\right)^{n^2}e^{-2n} =\exp\left(n^2\log\left(1+\frac2n\right)-2n\right) \xrightarrow{n\to\infty}e^{-2}>0.

    Die Potenzreihe konvergiert daher genau für x∈(−e−2,e−2)x\in(-e^{-2},e^{-2}).

  6. Für die Koeffizienten gilt nach dem Sandwichkriterium:

    0≤(13+12n)n2n=(13+12n)n≤(56)n→n→∞0. 0\leq\sqrt[n]{\left(\frac13+\frac1{2n}\right)^{n^2}} =\left(\frac13+\frac1{2n}\right)^n \leq\left(\frac56\right)^n \xrightarrow{n\to\infty}0.

    Damit ist R=∞R=\infty, und die Potenzreihe konvergiert für alle x∈Rx\in\mathbb R.

Winter 2018 #

Hier liegt eine gute Lösung vor. Trotzdem zwei Anmerkungen:

HM1 #

Auf die Lösung von Aufgabe 4 b) kommt man auch, ohne den Weg über die Potenzreihendarstellung des sinh⁡\sinh zu gehen. Mit der Regel von L’Hôpital und den Identitäten sinh⁡(0)=0\sinh(0)=0, cosh⁡(0)=1\cosh(0)=1 sowie sinh⁡′′=cosh⁡′=sinh⁡\sinh''=\cosh'=\sinh lässt sich der Grenzwert ebenfalls berechnen.

HM2 #

Die Lösung von Aufgabe 4 d) ist zwar sehr elegant, aber auch nicht ganz offensichtlich. Ein anderer Weg wäre, die absolut konvergente Reihe in Summen über gerade und ungerade nn aufzuteilen. Für ungerade nn werden dabei nur rein imaginäre Zahlen summiert. Das Umschreiben in geometrische Reihen liefert das gewünschte Ergebnis.